Taliban-Großangriff auf nordafghanische Stadt Kundus

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Während Vertreter der Taliban und der USA im Golfemirat Katar weiter an einem Abkommen über Wege zum Frieden in Afghanistan feilen, versuchen Taliban-Kämpfer, die Provinzhauptstadt Kundus zu überrennen. Sicherheitskräfte versuchen, den Angriff abzuwehren.

Kabul (dpa) – Inmitten von Gesprächen über Wege zum Frieden in Afghanistan haben radikalislamische Taliban die nördliche Provinzhauptstadt Kundus angegriffen.

Provinzräten zufolge nahmen sie dabei am Samstag mehrere Einrichtungen und Gebiete in der Stadt ein, darunter das Provinzkrankenhaus, die Zentrale der Elektrizitätsversorgung und den dritten Polizeibezirk der Stadt. Es gebe Tote und Verletzte, allerdings sei die Zahl unklar.

Der Angriff erfolgte zu einer Zeit, in der die Gespräche zwischen den Taliban und den USA im Golfemirat Katar über eine politische Lösung des seit fast 18 Jahren andauernden Konflikts in einer entscheidenden Phase waren. Zuletzt hatten sich beide Seiten optimistisch gezeigt, bald ein Abkommen erzielen zu können.

Dem Provinzrat Ghulam Rabbani zufolge begann der Angriff auf Kundus gegen 1.00 Uhr nachts (Ortszeit). Taliban-Kämpfer seien aus mehreren Richtungen in die Stadt vorgedrungen. Sie hätten sich in Häusern verschanzt und lieferten sich Gefechte mit den Sicherheitskräften. Luftschläge auf Taliban-Positionen hätten deren Vorstöße verlangsamt.

Die Sicherheitskräfte seien dabei, die Taliban-Kämpfer zurückzuschlagen und die Gebiete zu sichern, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministerium am Nachmittag. Es sei genügend Unterstützung nach Kundus entsandt worden. Polizei und Armee würden in mindestens drei Stadtteilen gegen die Taliban kämpfen und andere sensible Punkte sichern.

Berichte über Unterstützung durch US-Kräfte wies der Sprecher zurück. Auch alle Luftschläge seien von der afghanischen Luftwaffe durchgeführt worden. Ein Regierungssprecher teilte allerdings später ein Foto in sozialen Medien, das den Oberbefehlshaber der US- und Nato-Truppen in Afghanistan, General Austin Scott Miller, gemeinsam mit Verteidigungsminister Asadullah Chalid in Kundus zeigte.

Provinzrat Rabbani sagte, die Sicherheitskräfte könnten aus Rücksicht auf das Leben von Zivilisten nur langsam vorgehen. Nach Angaben des Abgeordneten Fasel Karim Aimak aus Kundus hatten sich die Taliban bis zum späten Nachmittag nur aus einem Gebiet zurückgezogen. Er befürchtete eine erneute Intensivierung der Kämpfe in der Nacht.

Dem Innenministerium zufolge wurden bei den bisherigen Luftschlägen und Bodenoperationen rund 40 Taliban-Kämpfer getötet. Diese Zahlen konnten jedoch nicht überprüft werden. Regierungsbeamte sind dafür bekannt, Opferzahlen der Taliban zu übertreiben.

Lokale Medien berichteten von zwischen drei und acht getöteten Zivilisten und Sicherheitskräften. Der gut vernetzte Journalist Bilal Sarwari schrieb auf Twitter, mindestens 15 Menschen seien bisher ums Leben gekommen. Er berief sich auf Quellen in Kundus.

Der Fernsehsender ToloNews berichtete, Dutzende Menschen seien aus ihren Häusern geflohen. Bilder in sozialen Medien zeigten geschlossene Geschäfte und verlassene Straßen. Die Stromversorgung und Telekommunikationsverbindungen waren unterbrochen.

Sowohl die Taliban als auch die Regierungskräfte erklärten, Kämpfer der jeweils anderen Seite hätten sich ihnen ergeben. In einem von Taliban geteilten Video waren Kämpfer zu sehen, die einen verlassenen Polizeiposten ausräumten und Munition, kugelsichere Westen und Computerausrüstung in ein Polizeiauto luden und wegfuhren. Die Echtheit dieses Videos konnte nicht überprüft werden.

Die Taliban kontrollieren weite Teile der Provinz Kundus, in der bis vor einigen Jahren die Bundeswehr als Schutzmacht stationiert war. Im Rahmen der Nato-Mission «Resolute Support» ist noch eine kleine Gruppe deutscher Soldaten dort, um die afghanische Armee zu beraten. Im Lager «Pamir» bei Kundus-Stadt sind derzeit rund 80 Bundeswehr-Soldaten stationiert. Im ganzen Land sind es rund 1200. DPA

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