Norwegens Regierungschef als Taxifahrer unterwegs

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Stoltenberg machte die Aktion offensichtlich Spaß. AFP
Für einen direkten Kontakt mit der Bevölkerung hat sich Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg in einen Taxifahrer verwandelt. An einem Juni-Nachmittag fuhr der Chef der Arbeiterpartei inkognito durch die Hauptstadt Oslo und ließ sich dabei mit versteckter Kamera filmen, wie er jetzt bekanntgab. Das Video ließ er nun mitten im Wahlkampf auf Facebook, Twitter und YouTube veröffentlichen.
"Es ist wichtig für mich zu hören, was die Leute wirklich denken", erklärte der Sozialdemokrat in dem dreiminütigen Video, das Ausschnitte der Gespräche mit seinen Fahrgästen zeigt. "Und wenn es einen Ort gibt, an dem die Menschen ihre Meinung sagen, ist das ein Taxi."
Der Regierungschef trug für sein Experiment die Uniform der Taxifahrer von Oslo und fuhr in einem schwarzen Mercedes durch die Hauptstadt. Ein Kunde sagte ihm, von einem bestimmten Blickwinkel aus ähnele er dem Ministerpräsidenten. Andere erkannten den 54-Jährigen sofort und diskutierten mit ihm über die unterschiedlichsten Themen wie etwa die Bildung- oder Ölpolitik. Eine ältere Dame forderte Stoltenberg auf, etwas gegen die ungerechtfertigten Millionengehälter der Konzernbosse zu unternehmen.
Einer anderen Kundin beichtete Stoltenberg, dass er seit acht Jahren nicht mehr selbst Auto gefahren sei. "Ich finde, dafür geht es doch ganz gut", tröstete sie ihn. "Zumindest lebe ich noch". Eine Passagierin war weniger überzeugt. "Ich habe schon bessere Fahrkünste erlebt", sagte sie nach einer plötzlichen Bremsaktion lachend und fügte hinzu: "Mit dem Fahrstil bin ich nicht zufrieden". Nach Angaben des Boulevardblatt "Verdens Gang" musste sie für die Fahrt wenigstens nichts bezahlen – ebensowenig wie die anderen Fahrgäste.
Bei der Parlamentswahl am 9. September zählen Stoltenberg und seine Mitte-links-Koalition nicht zu den Favoriten. Von "Verdens Gang" gefragt, ob er bei einer Niederlage gerne als Taxifahrer arbeiten würde, witzelte der Sozialdemokrat: "Ich glaube, dem Land und den norwegischen Taxikunden wäre besser gedient, wenn ich Ministerpräsident wäre und nicht Taxichauffeur". Politisch aber hat sich Stoltenbergs fragwürdiger Dienst am Taxikunden allemal gelohnt – mindestens eine neue Wählerstimme ist ihm am 9. September sicher. "Es war nett", sagte ein älterer Fahrgast beim Aussteigen. "Ich werde für die Arbeiterpartei stimmen".
AFP

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