Gericht verurteilt Ägyptens Ex-Präsidenten Mursi zum Tode

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Ein ägyptisches Gericht hat den früheren Präsidenten Mohamed Mursi zum Tode verurteilt.
Die Richter sehen es in dem am Dienstag veröffentlichten Urteil als erwiesen an, dass sich der Vertreter der islamistischen Muslimbruderschaft 2011 bei einem Massenausbruch aus einem Gefängnis an Morden, Entführungen und anderen Verbrechen beteiligte. Die Muslimbrüder wollen das Urteil nicht anerkennen und riefen auf ihrer Facebook-Seite für Freitag zu Massenprotesten auf.
Auch Mursi selbst sprach dem Gericht jede Legitimation ab. Vielmehr sei der Prozess Teil des Putsches, durch den er 2013 gestürzt worden sei. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden. Die Türkei kritisierte das Urteil gegen den ersten demokratisch gewählten Präsidenten Ägyptens als politisch motiviert. Die Entscheidung sei nicht überraschend, sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu. "Es gibt kein Gesetz. Es gibt keine Gerechtigkeit."
Neben Mursi wurden der Chef der Muslimbrüder, Mohammed Badie, sowie weitere vier führende Vertreter der Organisation zum Tode verurteilt. Über 80 weitere Muslimbrüder verhängten die Richter in Abwesenheit die Todesstrafe. In einem anderen Verfahren wurde Mursi ebenfalls am Dienstag zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Verschwörung mit ausländischen Gruppen verurteilt.
 
"Das Urteil ist ein Nagel im Sarg der ägyptischen Demokratie", sagte Jahja Hamid, ein früherer Minister in Mursis damaligem Kabinett. Kanzlerin Angela Merkel hatte das erwartete Todesurteil gegen Mursi bereits Anfang Juni kritsiert, als dessen Nachfolger Abdel Fattah al-Sisi in Berlin zu Besuch war. Der frühere General trug maßgeblich zum Sturz Mursis bei. Er stützt seine Macht auf die Armee.
 
Mursi, der in blauer Gefängniskluft erschien, verfolgte die Urteilsverkündung ruhig und mit einem leichten Lächeln. Beim Betreten des Gerichtsaal skandierten die Angeklagten "Nieder, nieder mit der Militärherrschaft". Die Richter hatten die Todesstrafe für Mursi bereits im Mai beschlossen, sie aber wie vom Gesetz vorgesehen noch an Großmufti Schauki Allam zur Stellungnahme weitergeleitet. Der Mufti ist die oberste religiöse Autorität des Landes.
REUTERS

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